Dienstag, 21. Juni 2011

Hammer doch was gelernt

Nach ein paar Wochen lassen ein paar Wirkungen nach - das spüren wir schon deutlich in der Haushaltskasse. Aber ein paar Erfahrungen bleiben: Wir kochen doch immer wieder selbst, bemühen uns, das Essen schön herzurichten, und überlegen uns häufiger, was das so gekostet hat. Heute: selbst panierte Austernpilze mit einem Spargel-Erdbeeren-Salat. Als Nachtisch eine Art Fruchtsalat mit Mascarpone. Aufgrund der Spargeln war das nicht wirklich billig, aber immer noch günstiger als Convenience-Food.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Linke vs. SPD

Die SPD hat zusammen mit den Grünen das Hartz-IV-Gesetz geschaffen, und die "Linken" greifen dafür vor allem die SPD heftig an. Ich möchte mich in diesen Streit im Grunde nicht einmischen - aber eines ist mir jetzt aufgefallen: Der Sprecher des Kreisvorstandes der Linken in Bad Hersfeld, also auch hier in Hessen, hat den SPD-Bundestagsabgeordneten seines Wahlkreises, Michael Roth, heftig für seine Zustimmung zur Hartz-IV-Änderung im Frühjahr angegriffen. Er wirft ihm "tiefe moralische Verkommenheit" vor und einiges mehr, und fordert ihn dann auf: "Der einzige glaubhafte Gegenbeweis wäre, in einem Selbstversuch den Beweis anzutreten, dass mit dem beschlossenen Regelsatz ein menschenwürdiges Leben möglich ist. Auf diesen Beweis werden wir vergeblich warten." - Nun, Herr Roth kann es ja auch mal probieren, er wird keinen Hunger leiden, wie ich ihm versichern kann. :-) Und wenn man sich nicht zu lästigen Dokumentationspflichten selbst verdonnert, kann man das übrigens nach meiner Überzeugung auch ein Jahr lang aushalten.
Ganzer Beitrag aus dem "KreisAnzeiger", Bad Hersfeld, hier

Dienstag, 14. Juni 2011

Was die Sozialwissenschaft dazu sagt

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) hat bereits 2007 eine Untersuchung veröffentlicht, wie viel die gesunde Ernährung eines Kindes in Deutschland kostet, und zwar mit einem Ernährungmodell, das als "optimierte Mischkost" bezeichnet wird. Diese Untersuchung hat zu einem erstaunlichen Ergebnis geführt: 3,59 Euro wären demnach täglich nötig, um ein 11-jähriges Kind zu ernähren, wenn man in einem Dicount-Supermarkt einkauft (Werte von 2007). Inflationsbereinigt entspricht das heute 4,22 Euro. Im Regelsatz sind jedoch nur 2,15 Euro vorgesehen. Da drängt sich mir die Frage auf, ob wir uns in den zwei Projektmonaten ungesund oder schlecht ernährt haben? Die klare Antwort: nein, das kann ich auch im Rückblick nicht sehen - schon gar nach der Tiefkühlpizza von heute ;-) - die war wirklich schlechter als mein Eigenprodukt. Aber heute war einfach nicht genug Zeit ...

Aber gut. Die Autorinnen der Studie haben trotz dieser (aus meiner Sicht) Abweichung von der Realität interessante Aspekte untersucht und dargestellt: So weisen sie darauf hin, dass die Preise für Nahrungsmittel in einem normalen Supermarkt rund 60 Prozent über denen der Discounter liegen - und im Bioladen sind sie sogar dreimal so teuer! Das entspricht ziemlich genau auch unserer Wahrnehmung.

Interessant sind auch die Auswertungen nach Art der Lebensmittel: Die ausgewogene Ernährung im Rahmen der Untersuchung des FKE hat einen Anteil von 13,5 Prozent für Wurst, Fleisch und Fisch ergeben. Wir hingegen sind bei knapp 10 Prozent gelandet - was gut zu diesen Werten passt, da zwei Personen bei uns kein Fleisch und eine sogar nur sehr ungern Fisch ist. Bei den Getränken lagen wir mit 10 Prozent über dem Wert der Studie von 7 Prozent, obwohl wir gerne und viel Leitungswasser trinken. Aber wir mögen halt auch mal ein Glas Bier oder Wein - der Vergleich kommt mir daher trotz der Abweichung schlüssig vor.

Insgesamt fühle ich mich von der Untersuchung bestätigt, was die Ernährung und das Selberkochen angeht - wobei mir immer noch schleierhaft ist, wie der hohe Preis zustandekommt, der auf eine glatte Verdoppelung des täglich verfügbaren Budgets hinauslaufen würde. Aber gerade in dieser Hinsicht halte ich einen Selbstversuch für durchaus aussagekräftiger als einen akademischen Vergleich, oder?

Montag, 30. Mai 2011

Hartz IV real

Immer wieder hören wir, zwei Monate auf Hartz IV sei nicht zu vergleichen mit dem wirklichen Hartz-IV-Leben. Das stimmt natürlich. Das haben wir auch nie behauptet. Es ging einfach darum, unter Realbedingungen einen überprüfbaren Teil des Hartz-IV-Regelsatzes auf seine Stichhaltigkeit zu testen. Dabei ist mir jedoch eingefallen, dass ich jahrelang nicht besser gelebt habe als mit Hartz-IV: nämlich als Student. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, das Geld, das ich damals zur Verfügung hatte, inflationsbereinigt auf heute umzurechnen. Ich habe als Student 1989 in Heidelberg angefangen zu studieren, und von meinen Eltern 800 DM bekommen. In Euro umgerechnet sind das 409,03 Euro monatlich. Davon musste ich meine Wohnung, Heizung, Energie, Essen, Kleidung, Sozialleben, Urlaub, Mobilität (schlicht: alles!) bezahlen. Ein Semesterticket für Studenten gab es damals noch nicht. Inflationsbereinigt sieht das so aus: Umgerechnet auf heute entspricht das einer Summe von 595,60 Euro. Die Miete geht bei Hartz IV extra, ich musste das jedoch aus diesem Topf bezahlen: Sie betrug damals 225 DM (umgerechnet und inflationsbereinigt auf heute: 167,51 Euro - das war günstig, und war entsprechend ausgestattet ;-) ). Inflationsbereinigt (also nach heutiger Kaufkraft) blieben mir damals also 428,09 Euro zum Leben - als Hartz-IVer würden mir heute 361,00 Euro zustehen, wobei ich damals noch die Heizung (Gas) extra zahlen musste (die durchschnittliche Höhe weiß ich leider beim besten Willen nicht mehr), die bei Hartz IV heute nicht mehr abgeht. Auch meine Lernmaterialen (vor allem: akademische Bücher, sehr teuer!) musste ich selbst bezahlen. Man sieht: Für lange Zeit lag mein materieller Lebensstandard ziemlich genau auf Hartz-IV-Niveau. Und trotzdem war das (wenn sicherlich im Rückblick auch leicht verklärt) eine der besten Zeiten in meinem Leben, und schöne Partys haben wir auch gefeiert. Denn, so meine Vorstellung von Hartz IV wie von "armen Studenten": Das Problem des Prekariats ist nicht die mangelnde materielle Ausstattung, sondern die Perspektivlosigkeit. Als Student hatte ich nicht viel mehr Geld - aber viel mehr Perspektive, ich wusste etwas mit einem Leben anzufangen, hatte positive Zukunftsaussichten. Eine gute Arbeitsmarktpolitik ist besser als mehr Transferleistungen - denn einfach mehr Geld löst die Probleme nicht. Und an der reinen materiellen Ausstattung lässt sich in unserer Gesellschaft eine Verletzung der Menschenwürde so nicht mehr ausmachen, um dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gerecht zu werden.

Internet

Es gab einige, die uns gesagt haben, dass sie es bedauern, dass das Projekt um ist. Dass es hier auf dem Blog nicht weitergeht. - Stimmt ja nicht! :-) - Es geht weiter: Auswertungen, Nachträge, Erfahrungen, die wir gesammelt haben, und gerne ab und zu auch mal wieder ein Essen aus unserer Küche. - Und das Blog gibt's jetzt auch einfacher im Internet: unter www.aufkleinerflamme.de oder www.auf-kleiner-flamme.de direkt (Danke, Benni!). Ist doch einfacher zu merken, oder?

Freitag, 27. Mai 2011

Was man in der Küche braucht

Auch mit Freunden und der weiteren Familie sprechen wir viel über das Projekt. Eine Frage, die immer wieder kommt: In Eurer gut ausgestatteten Küche macht ihr doch bestimmt Sachen, die ein ärmerer Haushalt gar nicht hinbekommt. Zum Beispiel: Brot backen mit der Brotmaschine. Dazu muss ich sagen: Ich benütze sie manchmal, aber grundsätzlich nur noch, um den Teig zu kneten. Gebacken wird das Brot immer ganz normal im Ofen. Dann ist das Ergebnis einfach schöner - die Familie hatte sich über die Kastenform beschwert ... Und viele Brote knete ich auch von Hand. Zum Beispiel die Sonntagsbrötchen: Da mache ich drei verschiedene Sorten (dazu nehme ich von verschiedenen Backmischungen je ein Drittel). Das macht ein bisschen mehr Arbeit, aber die Vielseitigkeit auf dem Tisch schätzen wir halt. Und was man sonst so braucht: Das wichtigste ist, wie ich festgestellt habe, ein scharfes Messer (ich habe da ein Keramik-Messer von Aldi - rund 12 Euro) und eine ordentliche Pfanne. Die Mikrowelle haben wir praktisch gar nicht benützt (anders, als ich vorher gedacht hatte!), andere Küchengeräte nur selten (z.B. den Mixer - aber das ist nun auch kein exotisches Gerät). - Wenn wir von exotischen Geräten sprechen wollen: Das trifft vielleicht auf die Nudelmaschine zu. Ohne die, das gebe ich zu, würde ich die Nudeln selbst nicht hinkriegen. Aber ganz ehrlich: Eine Ersparnis ist das nicht. Fertige Nudeln sind auch nicht schlecht - und kosten wirklich kaum etwas. Die Spätzlepresse hat noch eine Rolle gespielt - die ist aber auch nicht teuer. Alles andere dürfte es in jedem Haushalt geben: eine ordentliche Reibe, einen Schneebesen, Kochlöffel, Töpfe. Darauf kommt es nicht an: Wir haben wirklich "ganz normal" gekocht. Nur eines ist noch sehr wichtig: Ein 3-Sterne-Tiefkühlfach. Das muss nicht groß sein. Aber gerade für kleinere Haushalte (z.B. eine Person) und für Fleischesser ist das wichtig, weil man dann recht günstig auch mal etwas mehr einkaufen und sich einteilen kann. Und eine Spülmaschine ist nicht schlecht: Nicht nur durch das Kochen selbst hat man deutlich mehr Geschirr, auch die Vielseitigkeit hat in dieser Hinsicht ihren Preis: Die vielen Nachtisch- und Salat-Schälchen merkt man bei der Küchenarbeit deutlich!

Donnerstag, 26. Mai 2011

Der erste Großeinkauf danach

Ohne Taschenrechner, ohne Budgetbeschränkung (und sei sie auch nur im Kopf): Wir waren wieder bei Aldi. Und wie wir uns vorgenommen haben: Wir übernehmen aus dem Projekt ein paar Angewohnheiten, die wir für gut halten. Die uns etwas gebracht haben. Zum Beispiel: Wochenpläne machen, die Gerichte vorplanen, einen ordentlichen Einkaufsplan machen, ein wenig auf die Preise achten, nicht wieder den Kühlschrank bis zum Anschlag vollstopfen. - Und er erste Wocheneinkauf lag bei Aldi diesmal bei über 150 Euro. Gut, da waren auch ein paar Haushaltssachen dabei (die wir vorher immer schön extra zur Kasse geschoben haben, damit die Essens-Rechnungen übersichtlich bleiben). Und ein paar Delikatessen: Ein dicker Serano-Schinken für über 20 Euro (über 1 kg schwer - aber den hatten wir auch im Projekt!
), Spirituosen, ein paar Leckereien. Aber auch wenn man das abzieht, bleiben gut über 100 Euro für unsere Küche. Immer noch für einen Einkauf, der eine Woche halten soll, nicht übermäßig viel - aber über Hartz-IV-Satz, und im Ergebnis deutlich vernünftiger als früher. Finde ich jedenfalls. Mal sehen, was wir aus dem Projekt an guten Angewohnheiten auf Dauer in unser Leben hinüberretten können!